Lernen Sie Ihren Hund zu verstehen!

Monats-Archive: November 2013

Rontu – Hütehund-Mix, 1,5 Jahre alt – biss mehrfach seine eigene Familie

 

Rontu - Border Collie - Harzer Fuchs Mix

Rontu – Border Collie – Harzer Fuchs Mix

Schon mit etwa einem halben Jahr fing Rontu an, uns gegenüber, also seinen eigenen Familienmitgliedern, aggressiv zu werden. Er klaute Socken oder Trockentücher und wollte diese nicht mehr hergeben. Er knurrte uns an, fletschte, schließlich biss er irgendwann sogar zu. Er klaute Fernbedienungen vom TV, Mäuse vom PC, Wurst und Käse vom Tisch, wir schauten zu und hatten keine Chance, etwas daran zu ändern. Und weil wir nicht weiter wussten, suchten wir Hilfe im Internet.

Dabei wurde ganz schnell klar: Hütehunde (Rontu ist eine Mischung aus Border Collie und Harzer Fuchs) sind anders, als die Hunde, die wir bisher hatten. Wir erfuhren über Hütehunde, dass diese sehr schlau sind und unbedingt Aufgaben brauchen wie z.B. Agility oder Kopfarbeit, wir erfuhren auch, dass Hütehunde nur bedingt als Familienhunde geeignet sind. Und wir lasen zum ersten Mal, dass es „Angsthunde“ gibt. Die Parallelen zu Rontu waren offensichtlich.

Wir hörten also auf, Rontu anzuschreien, wir hörten auf, ihn zurechtzuweisen, wir nahmen nur noch Rücksicht auf ihn, wir wurden zu ordentlichen, aufgeräumten Menschen und ließen nichts mehr liegen – versuchten es zumindest. Wir forderten ihn mit Bällchen- und Leckerchensuchspielen. Rontu wurde ruhiger, wir auch, aber eigentlich änderte sich nichts an Rontus Verhalten, im Gegenteil. Abends kam es immer öfter vor, dass er uns anknurrte und nicht in seine Nähe ließ.

Auch die vielen vergeblichen Versuche in verschiedenen Hundeschulen  (Originalton: “bevor man mit dem arbeiten kann, muss er erst mal kastriert werden”) brachten uns nicht weiter. Rontu wurde zu einem Hund, der seine eigenen Familienmitglieder biss. Für uns total unkontrollierbar, eigentlich untragbar. Irgendwann waren wir angekommen an dem Punkt, wo wir sagten: Beißt er noch ein Mal ohne Grund, muss er eingeschläfert werden.

Es kam, wie es kommen musste: Rontu biss unseren Sohn beim Bällchen-Werfen.

Mit Tränen in den Augen (wir alle hatten uns schon innerlich von diesem eigentlich so lieben tollen Hund verabschiedet) fuhr ich am nächsten Morgen zum Tierarzt nach Stemel. Dort angekommen, konnte ich nicht mal mehr sagen, was ich eigentlich vorgehabt hatte. Ich fragte, nachdem ich unsere Probleme mit Rontu lang und breit geschildert hatte, nur nach einem Hundetrainer, der uns weiterhelfen könnte. Die Antwort kam spontan: „Wir arbeiten hier zusammen mit Frau Meisterjahn. Die ist wirklich gut, wenn ihnen eine helfen kann, dann sie.“

Ich ging aus der Praxis (zum Glück mit und für Rontu) mit einer Telefonnummer, die ich schon vom Parkplatz aus wählte. Und schon nach wenigen Minuten Telefonat wusste ich: Hier bist du endlich richtig.

Bei der Vorbesprechung bei uns zu Hause bestätigte sich mein erster Eindruck: Tina Meisterjahn ist ein Mensch, der sich Zeit nimmt. Nicht nur Zeit für Hunde, auch Zeit für die Menschen, die hinter diesen Hunden stehen.

Alle meine Fragen und Ängste wurden besprochen. Vor allem gefiel mir sofort ihre innerliche Ruhe. Rontu durfte Tina ganz langsam und nur durch Eigeninitiative kennen lernen. Ich habe diese Erfahrung mit noch keinem Menschen gemacht, ohne nicht vorher genaue Instruktionen gegeben zu haben, wie Mensch sich unserem Hund gegenüber verhalten muss, damit er nicht gebissen wird. Der Unterschied zur klassischen Hundeschule wurde sofort klar: die Hundepsychologin will nicht dressieren, sondern verstehen und den Hund umlenken. Nicht nur den Hund, sondern auch den Menschen. Rontu blieb während der Vorbesprechung die ganze Zeit an der Leine – Sicherheit ist oberstes Gebot.

Nach einigen Übungsstunden zeigten sich die ersten Erfolge. Rontu fing an, sich an uns zu orientieren. Aus Grundkommandos wie Sitz oder Platz wurde ein Spiel, der Zwang war weg. Ein großer Leinenzieher war er nie, aber nun lernten wir, wie wir auch in Konfliktsituationen Ruhe bewahren können. Rontu folgte uns plötzlich gerne.

RontuWenn Rontu heute knurrt oder warnt, wissen wir, wie wir reagieren müssen, aber besonders wichtig ist, wir haben gelernt, solche Situationen erst gar nicht entstehen zu lassen. Von vielen Dingen, von denen wir dachten, sie seien allgemeingültig für alle Hunde, mussten wir uns verabschieden. Zum Beispiel, dass Agility ein passender Ausgleich für Hütehunde ist. Unseren Hund würde Agility einfach nur nervös machen.

Hund ist nicht Hund. Umso wichtiger ist es, sich wirklich vor dem Kauf eines Hundes Gedanken zu machen, welcher Hund es denn sei sollte. Wir hatten uns mit Absicht einen Hütehund ausgesucht, nicht wissend, welche Probleme auf uns zukommen.

Natürlich gibt es immer wieder kleinere Rückfälle und viele Situationen, die wir noch nicht meistern können. Aber wir üben weiter und haben in Tina Meisterjahn endlich eine Ansprechpartnerin gefunden, die uns dabei mit vielen Tipps und Tricks zur Seite steht! Der Weg ist das Ziel…

Für diejenigen, die unseren Weg etwas mitverfolgen möchten, habe ich meine Eindrücke von ersten Gespräch mit Tina Meisterjahn bis heute festgehalten.

 

Erstes Telefongespräch – Parkplatz Tierarztpraxis

Ich weiß nicht, ob es richtig war, mit dem Hund wieder aus der Praxis zu gehen.

Ich will mir nicht irgendwann sagen müssen: Du wusstest es doch vorher, warum hast du den Hund nicht einschläfern lassen? Unser Sohn ist mir wichtiger als unser Hund, aber ich gebe unserem Hund noch eine allerletzte Chance. Ich rufe die Festnetznummer an, keiner geht dran. Ich mag nicht telefonieren, überwinde mich aber und rufe sogar die Handynummer an, die ich bekommen habe.

„Meisterjahn“… ich erzähle, woher ich die Nummer habe und warum ich anrufe. Das, was ich höre, nachdem ich unsere Probleme geschildert habe, erstaunt mich.

Ab sofort kein Bällchenspiel mehr, auch mit seinem bestem Kumpel Otto soll Rontu erst mal nicht mehr spielen. Erst müsse klar sein, dass Rontu keine Schmerzen hat. Und Rontu müsse ruhiger werden und lernen, runterzukommen. Das Spielen mit Bällchen und Otto pushe ihn hoch, das wilde Spiel mit Otto frustriere ihn möglicherweise sogar, denn Rontu wird oft einfach überrannt von Otto.

Wir vereinbaren einen ersten Termin, nur so, zum Kennenlernen.

 

Vorbesprechung – es passt.

Ich bin aufgeregt. Wen erwarte ich da? Wie soll ich mich verhalten? Zum ersten Mal kommt eine Hundepsychologin zu uns, bis jetzt waren es immer wir, die Hundetrainer aufsuchten. Kann sie uns wirklich helfen?

RontuAls ein Auto auf unseren Hof abbiegt, weiß ich, das kann nur Frau Meisterjahn sein. Sie steigt aus und begrüßt mich gar nicht. Sie steht nur da, dreht mir und Rontu den Rücken zu und dreht sich ab und zu mal um, um etwas zu unserem Hund zu sagen. Nach einer gefühlten Stunde sagt sie endlich „Hallo und guten Tag erst mal“ zu mir.

Mir gefällt das. Es mag befremdlich vorkommen, mit jemanden zu sprechen, der einem dem Rücken zudreht, aber es macht die Situation einfacher. Denn ich kenne ja unseren Hund, und der mag keine fremden Menschen, die direkt auf ihn zugehen. Wie ich mich verhalten soll, frage ich mich nicht mehr, denn hier habe ich eindeutig einen Menschen vor mir, der mir diese Frage im Moment des Aussteigens aus dem Auto abgenommen hat. Ich muss unseren Hund nicht erklären. Sie versteht ihn auch ohne Worte.

Auf dem Weg zur Terrasse durch die Wohnung muss ich mich ständig umdrehen, weil ich das Gefühl habe, dass sie gar nicht mitkommen will. Endlich angekommen, erklärt sie mir, dass Rontu ihr deutlich gezeigt habe, dass sie hier nichts zu suchen hätte und sie ihn immer wieder beschwichtigt hätte. Oh, das habe ich gar nicht mitbekommen.

Dann sitzen wir lange auf der Terrasse und reden sehr viel. Ich frage, sie antwortet. Ich bekomme ausführliche Antworten, präzise, genau auf Situationen abgestimmt, genau passend zu unserem Hund. Woher weiß sie das alles? Wie kann sie in so kurzer Zeit unseren Hund so gut einschätzen? Kein Vergleich zu meinen vielen  Internetsitzungen!

Egal. Es passt, und das ist gut so.

 

1. Übungsstunde 

Rontu kann sich an Tina erinnern, freut er sich? Ich kann sein Verhalten nicht richtig deuten, habe den Eindruck, er freut sich, vorsichtig, ängstlich wie immer.

Wir fangen an mit Leinentraining, Tina hatte es ja schon angekündigt. Wieso das? Wir wollen doch nur, dass er nicht mehr beißt. Rontu ist nie der große „Leinenzieher“ gewesen, deswegen bin ich etwas pikiert, sage aber nichts. Während der Stunde wird mir klar, was Tina schon in der Vorbesprechung sagte: Es geht nur in ganz kleinen Schritten.

Und damit haben wir Erfolg. Denn nachdem ich es endlich schaffe, die Sache einigermaßen richtig zu koordinieren, merke ich: Rontu reagiert auf mich, endlich kann er mich „lesen“, und es macht ihm großen Spaß mir zu folgen. Er freut sich, und ich mich auch. Ich bin gespannt aufs nächste Mal.

 

2. Übungsstunde 

Tina kommt! Rontu freut sich, zeigt aber noch Beschwichtigungsverhalten. Ich sehe es erst nur an Tinas Reaktion, die sich deutlich von ihm abwendet und mir das auch sofort erklärt: Rontu läuft einen weiten Bogen, um sich ihr zu nähern und beschwichtigt dabei. Tina geht auf seine Beschwichtigung ein und zeigt ihm durch Gestik, dass sie keine Bedrohung darstellt.

Dann muss ich zeigen, wie gut ich meine Hausaufgaben gemacht habe. Na ja, schon die ganze Woche hatte ich Schwierigkeiten, die Übungen durchzuführen, denn ich habe einen Dickkopf und kann alles besser. Ich will einfach nicht glauben, dass meine alten Kommandos ab sofort nebensächlich sind, denn es funktionierte doch immer…. Einigermaßen.

Schaue ich allerdings Tina zu, die die gleichen Übungen mit dem gleichen Hund macht, sieht das ganz anders aus. Okay, ich nehme mir für die nächste Woche vor, meinen Dickkopf zu überlisten. Fragt sich nur wie…

Am Ende der Stunde stelle ich endlich die Frage, die mir schon die ganze Zeit auf der Zunge brennt: Was ist mit den Grundkommandos, die Rontu nicht beherrscht und unsere Angst, dass er wieder zubeißen könnte? Ich bekomme eine ausführliche Antwort mit einem mir schlüssigen Übungstraining. Gut, dass ich noch schnell gefragt habe.

3. Übungsstunde

Natürlich habe ich es nicht geschafft, meinen Dickkopf zu überlisten. Auch das Übungstraining war mir im Nachhinein dann doch nicht mehr schlüssig…Ich frage noch mal fast die gleiche Frage und erkläre, dass nicht ich, sondern die Anderen ein Problem mit unserem Hund haben. Und wieder bekomme ich eine lange, geduldige Antwort.

Ich glaube, dieses Mal habe ich kapiert, worum es geht: Rontu hat kein Vertrauen in Menschen, auch nicht in mich. Er will ein Team mit seinem Partner sein, den Partner verstehen können und ihm folgen. Das geben wir ihm nicht, wir sind nicht eindeutig in unserer Körpersprache. Wir verwirren und frustrieren ihn. Deswegen ist er unsicher, akzeptiert uns nicht, fühlt sich sogar von uns bedroht und beißt dann zu. Über das neue Leinentraining kann er lernen, eine  Bindung mit uns einzugehen, kann lernen, sich führen zu lassen. Vorausgesetzt, wir Menschen lernen, fair zu agieren und uns und den Hund besser zu beobachten. Das geht jetzt sogar in meinen Dickkopf rein, ist doch logisch…

 

4. Übungsstunde 

Inzwischen haben wir viel geübt. Rontu läuft kurze Strecken neben, nicht vor mir, lässt sich in entspannten Situationen abrufen und hat das Kommando „Platz“ dazugelernt. Es hat sich offensichtlich gelohnt, die Anweisungen für die Übungen genau zu befolgen!

Doch schon bei der ersten neuen Übung bekomme ich einen kleinen Dämpfer: „Wir hatten doch gesagt…“. Ach ja. Vergesslich, wie ich bin, gibt Tina mir den guten Tipp, den sie mir auch schon bei der Vorbesprechung gegeben hatte, noch mal: Alles sofort aufschreiben und dann konsequent die passenden Signale an passender Stelle anbringen.  Trotzdem wird es noch eine tolle Stunde, Rontu lernt mit 1 ½ Jahren endlich das „Bleib“ kennen und ich schaffe es, mich mehr als 5 Schritte von ihm zu entfernen, ohne, dass er aufsteht. Ein Riesenerfolg für uns!

Insgesamt ist inzwischen aus dem unkontrollierbaren und unberechenbaren Hund ein ruhiger und fast entspannter Partner geworden.  Und ich weiß: da geht noch viel mehr und bin gespannt auf die nächsten Übungsstunden!

Mein Erfahrungsbericht hört hier auf mit einer Empfehlung an alle, die so verzweifelt sind, wie wir es waren:

Tina Meisterjahn als Hundepsychologin arbeitet anders als die Hundetrainer, die uns auf unserer Suche nach Hilfe begegnet sind.

Vielleicht wird auch euer Zusammenleben von Mensch und Hund mit Tinas Hilfe harmonischer. Ein Versuch ist es wert…

 

Rontu und Familie sagen „Danke!“