Lernen Sie Ihren Hund zu verstehen!

Monats-Archive: August 2017

Kajo – es war zum Verzweifeln!

Foto: Sandra Bock © 2017

Kajo ist ein Harzer Fuchs-Schäferhund-Mix und kam im November 2014, mit 2,5 Jahren, zu mir. Er ist ein Tierschutzhund, der leider schon viel zu oft „herumgereicht“ wurde (bei mir ist mittlerweile sein 5. Zuhause!!). Dementsprechend war er so gut wie gar nicht sozialisiert. Er hatte bisher leider auch keine Ahnung wie sich „Familie“ anfühlt und wie schön so ein Hundeleben eigentlich sein kann. Fakt ist: das mit Kajo war Liebe auf den ersten Blick – also sollte er schnell bei mir einziehen :-)

Nachdem Kajo sich eingelebt hatte, fing ich an mit ihm zu trainieren. Und es lag einiges vor uns:

  • Kajos Leinenführigkeit war eine Katastrophe
  • Er jagte mit großer Freude hinter jedem Auto her
  • Er wollte während eines Spaziergangs alle anderen Menschen „begrüßen“, rannte immer direkt auf sie zu und sprang sie leider auch an
  • Andere Hunde waren ein riesen Problem: jeder Kontakt brachte großes Gebell und Leinenzerren mit sich. Kam ihm sein Gegenüber mal zu nah, fing Kajo direkt an die Zähne zu fletschen und zu schnappen bzw. den anderen, recht brutal, zu unterwerfen.
  • Er interessierte sich kaum für mich und wäre wohl auch gerne alleine spazieren gegangen. Ich war anfangs nur das „nervige Anhängsel“ am anderen Ende der Leine. Demnach konnte ich ihn auch nicht frei laufen lassen und die 10-Meter-Schleppleine war somit erstmal unser treuster Begleiter ;-)

 

Nach einem Monat Üben und Trainieren konnte ich immer noch keine großen Verbesserungen feststellen. Ich war frustriert, weil nichts so richtig funktioniert hat und ich wollte doch nur, dass Kajo sich unterwegs entspannen kann.

Also habe ich angefangen den Kontakt zu einigen Hundeschulen zu suchen. Die Suche nach der „perfekten“ Hundeschule war gar nicht so leicht, wie ich dachte. Entweder fielen die Trainer krankheitsbedingt für eine längere Zeit aus oder die verschiedenen Schulen reagierten gar nicht erst auf meine Anrufe oder E-Mails. Ich konnte machen was ich wollte, ich kam in keiner Hundeschule unter… Im Nachhinein bin ich sehr froh darüber, sonst hätten wir Tina wohl nie kennengelernt :-)

 

Im Dezember 2014 war es dann soweit: Wenn man sich so langsam gar nicht mehr zu helfen weiß und einfach nicht weiter kommt, kommt die Schwester ins Spiel, die beim Tierarzt arbeitet ;-) Durch sie habe ich dann auch von Tina erfahren.

Nach vielem hin und her überlegen, ob so eine Hundepsychologin denn auch wirklich das Richtige für uns ist, habe ich Tina dann doch angerufen und den Termin für das Erstgespräch vereinbart.

Ich war etwas nervös und konnte mir nicht so richtig vorstellen, was mich bei diesem Gespräch erwartet. Am Ende war ich positiv überrascht :-) Tina hat sich viel Zeit genommen. Alles wurde in Ruhe besprochen. Es gab viele Fragen und viele, sehr ausführliche Antworten.

 

Schnell stellte Tina fest, dass Kajo Angst vor anderen Hunden hat und deshalb so „brutal“ reagiert. Er hatte bereits gelernt, dass er mit dem was er tut hervorragend durch diese Situationen durch kommt – er rüpelt die anderen Hunde an, sie unterwerfen sich und Kajo geht als Sieger aus der Situation heraus. Warum, aus seiner Sicht, diese Strategie also nicht einfach beibehalten?!

Foto: Sandra Bock © 2017

Foto: Sandra Bock © 2017

Ich habe mir Vorwürfe gemacht, was ich dem armen Hund alles unbewusst zugemutet habe… Ein komisches Gefühl, denn man möchte ja eigentlich das Gegenteil. Er soll sich sicher fühlen und keine Angst haben. Ich war froh, dass wir das alles endlich in Angriff nehmen konnten. Viele kleine Schritte waren nötig um dahin zu kommen, wo wir jetzt sind. Bevor das Hauptproblem (Hundebegegnungen) angegangen werden konnte, mussten erstmal ein paar Grundlegende Dinge gefestigt werden. Da Kajo ja noch nicht so lange bei mir war, wurden erstmal Übungen gemacht, die die Bindung stärken. Darauf konnten wir dann langsam aufbauen.

 

In der ganzen Zeit mit Tina haben wir viel Spaß gehabt und sehr viel Neues dazugelernt. Es war aber auch nicht immer leicht. In manchen Situationen habe ich gedacht „das schaffen wir nie – das wird sich nie ändern“, aber mit viel Ruhe und Geduld hat’s dann doch geklappt :-) Wir sind sehr stolz auf uns und werden auf jeden Fall so weiter machen.

Foto: Sandra Bock © 2017

Foto: Sandra Bock © 2017

 

Im Juli 2017 hatten wir unsere letzte Trainingsstunde (von insgesamt 10) mit Tina. Ein großer Zeitraum ist mittlerweile vergangen und Kajo ist jetzt 5 Jahre alt. Eine lange Zeit, die wir aber intensiv genutzt und gewiss auch gebraucht haben. Denn wie wir alle wissen: der Hund bestimmt das Lerntempo ;-)

Aus Kajo ist ein ganz wunderbarer, offener und freundlicher Hund geworden – einfach ein in toller Begleiter. Die gemeinsame Arbeit hat uns zusammen geschweißt und unsere Bindung gestärkt. Kajo hat in mir endlich seine Bezugsperson gefunden, bei der er Schutz und Sicherheit finden kann. Spaziergänge machen jetzt richtig Spaß. Er genießt es draußen zu sein und ist total entspannt. Andere Menschen, sowie Autos, sind ihm mittlerweile schon egal. Was kontinuierliches „Zeigen-und-Benennen“ doch alles bewirken kann :-)

 

Foto: Sandra Bock © 2017

Wir gehen an einer lockeren Leine spazieren und kommunizieren viel mehr miteinander. Der Freilauf ist nun auch kein Problem mehr. Kajo hat unterwegs kein Interesse mehr daran nur „sein eigenes Ding“ zu machen, sondern achtet viel mehr auf mich. Auch werden andere Hunde nicht mehr als „Feinde“ angesehen. Hundebegegnungen sind jetzt viel stressfreier und entspannter. Wir sind zwar noch nicht am Ziel, aber auf einem sehr guten Weg dahin. Wir wissen jetzt wie wir mit solchen Situationen umgehen müssen und können diese zusammen meistern :-)

 

All das haben wir mit Geduld, Liebe, viel Verständnis für den Hund und vor allem aber mit viel Spaß und Freunde am Training hinbekommen.

 

Wir sagen „DANKE Tina“ für deine Hilfe und für die tolle Zusammenarbeit!

 

Sandra & Kajo